Schauplätze

Aktuell geht es im Forum auch um das Thema Schauplätze.

Ein ehemaliges Paar, Simon und Lena (danke an Kirsten), hat sich nach vielen Jahren wieder getroffen und geht zum ersten Mal wieder zusammen aus. Und das in eine Gaststätte, deren Besitzer Jan damals auch in Lena verliebt gewesen war. Die Gaststätte und ihre Ausstrahlung sagen somit viel über den Besitzer aus.

Was kann man jetzt über diesen Schauplatz erzählen?

Da stehen Tische und Bänke aus Holz drin, an den Wänden hängen Bilder von Schiffen und es stehen ein paar Buddelschiffe herum. Was sagt uns das? Die Sitzmöglichkeiten hatten wir schon erwartet. Die Schiffe sagen uns, dass es vielleicht ein Fischrestaurant ist. Damit sind die Aussagen bereits getroffen.

Ist das relevant für die Geschichte?

Wenn wir ein Lokal schildern, in dem wir gestern essen waren und das uns nicht besonders beeindruckt hat, dann reicht das vollkommen. Doch wenn es die Heimat eines Menschen ist, der in unserer Geschichte noch eine Rolle spielen soll, dann reicht das nicht. In diesem Fall wollen wir nicht wissen, ob der Raum viereckig ist (es sei denn, er ist es nicht) und ob ein Tisch drin steht oder nicht. Nein!

Wir wollen wissen, was für eine Atmosphäre uns entgegenschlägt. Kühle Eleganz oder muffige Kleinbürgerlichkeit. Klinische Sauberkeit oder Messiehöhle. Liegen tote Fliegen am Fenster? Haben die Speisekarten Eselsohren? Wie sind die Preise? Gibt es weiteres Personal.

Und – bei einem Lokal von exorbitanter Bedeutung – was hat er serviert und wie hat es geschmeckt?

Beeindrucken Sie den Leser

Gibt es überraschende Details, die es sich zu schildern lohnt? Etwas, womit weder Sie noch der Leser gerechnet haben? Was die Geschichte spannend macht? Hält der Wirt in seinem Aquarium Piranhas? Hat er gebratene Kobra auf der Speisekarte stehen? Begrüßt er jede Dame mit einem fröhlich geträllerten “Hello Dolly”?

Lassen Sie sich was einfallen, nicht um des Effektes Willen, sondern um der Geschichte ein ganz eigenes Flair zu geben und sie voranzutreiben.

Machen Sie Ihre Schauplätze zu etwas ganz Besonderem!

Als Beispiel füge ich mal einen Schauplatz aus “Der Flug der Hexe” an:

Mit Herzklopfen stieg sie aus und schaute sich um. Die Burg lag idyllisch, umgeben von sanften bewaldeten Hügeln, weit und breit gab es keine Wohnbebauung. Am Horizont zeichnete sich eine größere Erhebung ab. Das musste der Blocksberg sein. Obwohl – eher ein Blockshügel.
Sie drehte sich um und betrachtete die Burg. Das eigenartige Bauwerk erhob sich schmal und lang gezogen weit nach oben. Die unteren zwei Drittel bestanden aus gemauertem Sandstein, unterbrochen von wenigen kleinen Fenstern. Darauf erhoben sich nochmals zwei Stockwerke aus Fachwerk mit einem ausladenden Walmdach. Das wirkte, als hätte man ein großes Bauernhaus auf einem Sockel aus Buntsandstein aus der Erde geschoben.

Eine hohe Mauer umgab das Gebäude. Regina fand einen schlichten Durchgang ohne Burggraben oder Falltür. Sie entdeckte die Eingangstür erst, nachdem sie um das halbe Gebäude herumgelaufen war. Stilecht bestand sie aus massiven Eichenbohlen, mit einem schweren schmiedeeisernen Ring zum Anklopfen. Von drinnen vernahm sie hektische Rufe und Geschirrklappern.
Ihr Schritt verlangsamte sich, dafür rauschte das Blut in den Ohren. Entschlossen griff sie nach dem Ring und schlug ihn gegen die Tür. Der laute Ton hallte nach. Warum tauchten jetzt Bilder aus Dracula-Filmen in ihrem Kopf auf? Würde gleich ein buckliger Gehilfe die Tür öffnen und sie in das Reich der Verderbnis führen?

Sie hörte, wie drinnen ein Riegel zur Seite geschoben wurde. Langsam und mit einem vernehmlichen Quietschen zog jemand die Tür auf. Der Gehilfe war nicht bucklig. Er sah auch nicht aus, als würde er Insekten fressen, im Gegenteil, es war – Alfred! Er strahlte über das ganze Gesicht. »Regina!«

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