Inquits

Was zur Hölle sind Inquits?

Wichtig zu wissen ist bei Dialogen, wer was gesagt hat. Deshalb hat man die Neigung, nach jeden Satz ein “sagte sie” oder ein “erwiderte er” zu setzen. Diese Konstrukte bezeichnet man als Inquits.

Nehmen wir doch einfach mal einen Dialog her:

“Erzähl mir nochmal von dem Tag, an dem du Mama kennengelernt hast”, forderte Anna ihren Papa auf.

“Oh, das hab ich dir doch schon hundert Mal erzählt”, antwortete er.

“Ich will es aber noch mal hören”, beharrte sie.

“Gut, lass mich nachdenken”, überlegte er. “Ich glaube, das war an einem Dienstag.”

Nicht schlecht, oder? Aber die ständigen “sagte sie” und “antwortete er” machen den Text auch etwas steif und hölzern. Das ist noch zu ertragen, wenn der Dialog nur über vier Zeilen geht. Aber was, wenn der Dialog sich über vier Seiten erstreckt und man schon zum hundertsten Mal “sagte sie” geschrieben hat?

Die allgemeine Tendenz geht dahin, die Inquits so weit wie nur möglich zu vermeiden. Aber wie kann man das Gesagte einer Person besser zuordnen? Stellen Sie sich einen Dialog vor wie ein Tennisspiel, Links hat Aufschlag, der Blick geht nach rechts, der gibt zurück, der Blick geht wieder nach links. Genauso können Sie es auch mit Dialogen handhaben. Sie lassen den Aufschlagenden irgend etwas tun, dann sagt er etwas.

Absatz.

Dann tut der andere etwas, sagt etwas.

Absatz.

Wieder geht Ihr (virtueller) Blick zum anderen Gesprächspartner. Also:

Anna kuschelte sich noch tiefer in die Decken und starrte ihren Papa gespannt an. “Erzähl mir nochmal von dem Tag, an dem du Mama kennengelernt hast.”

Hier weiß der Leser eindeutig, dass dies Anna sagte, deshalb muss man es nicht mehr erwähnen.

Ihr Papa lächelte nachsichtig. “Oh, das hab ich dir doch schon hundert Mal erzählt.”

Und hier ist auch kein Zweifel möglich.

“Ich will es aber noch mal hören.” Anna verschränkte die Arme trotzig vor dem Körper.

“Gut, lass mich nachdenken. Ich glaube, das war an einem Dienstag.”

Ist Ihnen aufgefallen, dass ich beim letzten Satz überhaupt nicht erwähnt habe, wer spricht? Nun, es ist eindeutig und muss nicht erklärt werden. Durch den Absatz weiß man, dass der Dialog auf den Gesprächspartner gewechselt hat.

Wenn man so weit wie möglich auf Inquits verzichtet, wirkt der Text lebendiger, man weiß intuitiv, wer gerade spricht und kann sich besser auf den Dialog einlassen.

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