7. Dezember 2021

Hamburger für zwei

Von unserer Autorin Sabine

Eine Hand mit einem Tablett schwebte auf Max zu, gefolgt von einem stämmigen Teenager. Hamburger und Pommes türmten sich, daneben schwappte Cola in einem großen Plastikbecher. Max zog den Kopf ein, das Tablett streifte trotzdem noch seine Haarspitzen und landete sicher auf einem der Nachbartische. Er atmete tief ein und setzte sich wieder aufrecht. Die harte Sitzfläche drückte schmerzhaft gegen seinen mageren Hintern. Mit einem Ruck schob er die Beine nach hinten und legte die Unterarme auf dem Tisch ab. Krümel piekten durch die Ärmel des Sweatshirts, Fettspritzer und Flecken von Ketchup und Cola klebten ihn in dieser Haltung fest. Ölige Dämpfe und angeregtes Geplapper erfüllten den Raum.

Er hätte sich nicht bequatschen lassen sollen. Aber Mike hatte keine Ruhe gegeben. »Meine Schwester ist echt taff. Lern sie doch erst mal kennen. Du brauchst ’ne Freundin, Mann.« Der Satz »Dann leih ich dir auch mal mein Motorrad« hatte ihn umgestimmt.
Er presste die Fingerspitzen aufeinander und fixierte den Eingang. Sie sollte als Erkennungszeichen einen Button tragen. »Fuck you« sollte drauf stehen. Er war auch blöd. Warum hatte er sich kein Foto von ihr zeigen lassen? Wenn die nun aussah wie March Simpson? Er schüttelte den Kopf. Die Entscheidung, sie hier zu treffen, war definitiv richtig. Er hatte echt keinen Bock auf die. Von wegen romantischer Abend. In zehn Minuten hätte er die Trulla vom Hals und sein Teil der Abmachung war erfüllt.


»Ist hier noch frei?«
Er zuckte zusammen. Vor ihm stand eine junge Frau, trug ein Tablett mit Hamburger und Cola, lächelte freundlich. War sie das? Sein Blick wanderte ratlos über ihr Mickey-Mouse-Shirt. Kein Button. »Nein!« Das kam unfreundlicher als beabsichtigt.
Die junge Frau zuckte mit den Schultern und setzte sich an den Nachbartisch, grinste ihn unverschämt an und packte ihren Hamburger aus. Max presste die Lippen zusammen, sein Blick wanderte vom Eingang immer wieder an ihren Tisch. Im Nachhinein fand er sie eigentlich ganz niedlich. Kesse Bobby-Frisur und Sommersprossen. Mickey Mouse zeichnete eine geniale Oberweite ab. Er hätte sie nicht gleich in die Wüste schicken sollen. Was für ein Scheiß-Tag!
Er sah auf die Uhr an der Seitenwand. Fuck you war schon eine halbe Stunde überfällig. Wie er das hasste. Vielleicht sollte er einfach was essen und abdampfen. Und alle Weiber hassen bis ans Ende der Zeit.
»Scheint nicht zu kommen, deine Verabredung.« Sie grinste mit vollen Backen.
Statt einer Antwort warf er noch einen giftigen Blick Richtung Eingang, stand auf und stellte sich in die Schlange an der Ausgabetheke. Fünf Minuten später trug er gleichfalls ein Tablett vor sich her. Er zielte auf einen abgelegenen Tisch in der Ecke, doch sie warf ihm einen bedeutungsvollen Blick zu. Die Blöße würde er sich nicht geben! Er stellte das Tablett an seinem Tisch ab und wischte mit dem Ärmel die Krümel weg.

Kaum dass er saß, stand sie auf. Soll sie doch abhauen, die blöde Kuh. Er konnte auch alleine essen. Sie ging dicht an ihm vorüber und Mickey Mouse streifte seinen Arm. Die kleinen Härchen stellten sich auf. Er vermied den Blickkontakt, starrte angestrengt auf seinen Doppelburger, sperrte den Mund weit auf und biss wütend hinein.

Wenige Minuten später tauchte eine Hand in seinem Blickfeld auf und stellte einen Espresso ab. Sein Kauwerkzeug arretierte, er hob den Kopf und sah direkt in ihre frechen Augen.
»Ich heiße übrigens Steffi.«
Sein Blick fiel auf ihren anbetungswürdigen Vorbau, auf dem jetzt ein Button prangte. »Fuck you«.
Sie behielt ihr unverschämtes Grinsen bei, stellte einen zweiten Espresso ab und setzte sich. »So, du genialer Womanizer. Fangen wir nochmal von vorne an. Ich hatte ehrlich gesagt gar keinen Bock auf dieses Date. Hat dir Mike etwa auch das Motorrad versprochen?«

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