20. Oktober 2021

Gendern oder nicht gendern, das ist hier die Frage

Wirklich? Nö. Kein bisserl!

Ich gebe ich hier keine Meinung ab, ob Gendern in der großen, weiten Welt sinnvoll oder sinnentleert ist. Die Stimmung ist so aufgeheizt und die Lager so verfeindet, dass die Debatte den Charakter eines Religionskrieges angenommen hat. Ich begehe keinen Selbstmord. Aber innerhalb eines Romans hat Gendern nichts verloren.

Warum?

Das Donnern der Kampfhubschrauber verlor sich in der Ferne. »Wieviele haben wir verloren, Feldwebel?« Nishka wischte sich das Blut aus den Augen.
Der Angesprochene wich ihrem Blick aus und schüttelte den Kopf. »Dreißig Mann gefallen, die restlichen Jungs sind verwundert, teils schwer.«
Sie fluchte und spuckte auf den Boden. Ein Ping ließ sie herumfahren. »Gott hat heute seinen gehässigen Tag. Meier! Was kommt diesmal rein?«

»Raketen, Major.« Der Fernmelder drehte den Radarschirm in Nishkas Richtung. »Der Feind hat sein ganzes Arsenal abgefeuert.«
Alle Farbe wich aus Nishkas Gesicht. Sie zertrümmerte mit der Faust die Kappe über dem Alarmknopf und presste ihn in den Sockel. »Alle Mann in die Bunker! Jeder nimmt soviel Verpflegung mit, wie er tragen kann!«

Ich hoffe, das war halbwegs spannend. Aber ich kann auch anders. Ich kann gendern.

»Wieviele haben wir verloren, Feldwebel?« Nishka wischte sich das Blut aus den Augen.
Der/die Angesprochene wich ihrem Blick aus und schüttelte den Kopf. »Dreißig Mann/Frauen gefallen, der/die restlichen Jungs/Mädels sind verwundert, teils schwer.«
Nishka fluchte und spuckte auf den Boden. Ein Ping ließ sie herumfahren. »Gott hat heute seinen/ihren gehässigen Tag. Meier! Was kommt diesmal rein?«
»Raketen, Majorin.« Der Fernmelder drehte den Radarschirm in Nishkas Richtung. »Der/die Feind*in hat sein/ihr ganzes Arsenal abgefeuert.«
Alle Farbe wich aus Nishkas Gesicht. Sie zertrümmerte mit der Faust die Kappe über dem Alarmknopf und presste ihn in den Sockel. »Alle Mann/Frau in die Bunker! Jede*r nimmt soviel Verpflegung mit, wie er/sie tragen kann!«

Muss ich noch etwas dazu sagen? Jeder Lesefluss ist verloren gegangen. Es ist vollkommen unmöglich, sich den Worten zu überlassen, in die Welt einzutauchen, mit den Figuren mitzufiebern.
Wem ist aufgefallen, dass ich im zweiten Beispiel – sehr dezent, aber gekonnt am Gendern war? Da steht Majorin, nicht Major… Es geht. Wo es sinnvoll ist. Aber nicht mit der fanatisierten Gießkanne.

Genderspeech in einem Roman ist hervorragend geeignet, Ladenhüter zu schreiben. Ein Roman soll flüssig zu lesen sein, Spannung aufbauen, den Leser entführen in eine Welt voller Wunder. Gendern? Der Leser schlägt das Buch zu und wird im günstigsten Fall von diesem Autor nie wieder etwas kaufen. Viel wahrscheinlicher aber schreibt er eine seitenlange miese Rezension in Google.

Darüber hinaus stellen sich unlösbare Fragen:
»Herr Kommissar, wir wissen immer noch nicht, ob DER Täter ein Mann ober eine Frau ist.« Hier darf sich jetzt jeder selbst überlegen, wie man das gendern kann. Oder wie Frau das gendern kann.
Wie geht man im Roman mit solchen Worten um: Kundenstamm? Käuferliste?

Natürlich kann man versuchen zu umschreiben. Formulierungen wie »Wieviele Mann sind gefallen?« kann man kaum ersetzen durch »Wieviele Mann/Frau«, eher durch »Wieviele Männer und Frauen« Es bleibt umständlich und holprig. Und was wäre die korrekte Antwort? »Dreißig« jedenfalls nicht. Wieviele davon sind Frauen? Will der Major – pardon die Majorin jetzt eine Aufschlüsselung in Mann und Frau? Oder nur eine Zahl, um Särge bei Amazon zu bestellen?
Man kommt nicht um Gerundien, Infinitivkonstruktionen oder Partizpialkonstruktionen herum, die man gewöhnlich meidet wie der Teufel das Weihwasser. Das tut sich kein Leser freiwillig an. Dem Werk ist ein Schicksal als Ladenhüter garantiert.

Und wehret den Anfängen. Um wahre Gleichberechtigung zu fördern, muss man die Unterdrückung diverser Menschen berücksichtigen. Die Vorstellung von einem wahrhaft gendergerechten Thriller entlockt mir ein boshaftes Kichern. Alfred Hitchcock: »Der/die/das Mörder, der/die/das weder Mann, noch Frau war« Band eins der Trilogie.

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Ein Gedanke zu “Gendern oder nicht gendern, das ist hier die Frage

  1. Als Frau und Administratorin dieser Site weise ich darauf hin, dass dieser Beitrag nicht die Meinung der Redaktion widerspiegelt, sondern lediglich die Meinungsäußerung eines einzelnen Autors ist.
    Ich selbst finde, dass Gendern in vielen Bereichen absolut berechtigt ist.
    Die Gleichbehandlung der Geschlechter ist noch lange nicht umgesetzt, was viele Männer nicht einmal wahrnehmen möchten. Es muss in den Köpfen anfangen. Ich finde allerdings auch, dass man nicht mehr umsetzen sollte, als die Grammatik tatsächlich hergibt.

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