Die Sache mit dem Show

Oft ertappe ich mich dabei, die Seiten eines Buchs quer zu lesen, da zu viele leere Floskeln geschrieben wurden, die nichts mit der Handlung zu tun haben. Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass ich eher gerne zum Punkt komme, ohne Umschweife.

Das hat mir ein Forenteilnehmer geschrieben auf den Hinweis hin, sich in seinem Roman nicht zu sehr auf Tell zu stützen. Das zeigt mir wieder einmal, dass der Sinn von Show und Tell anfangs nur schwer verstanden wird!

Eine knappe Zusammenfassung gibt man, wenn man die Nachrichten vorliest, nicht wenn man einen Roman schreibt! Es geht absolut nicht darum, besonders blumig oder ausschweifend zu schreiben, im Gegenteil! Es darf ruhig kurz und knapp werden, aber die Geschichte soll lebendig wirken und nicht trocken, nüchtern und distanziert. Um das zu erreichen, muss man so schreiben, dass im Leser Bilder entstehen, dass er miterleben, mitfühlen kann. Das erreicht man durch Show.

Das ist, was ich geantwortet habe.

Ich versuche mal, das an einem Beispiel darzustellen.

Tell, also die Geschehnisse kurz und knapp:

Er schlug sie. Sie begann, sich zu verteidigen und schlug ihrerseits auf ihn ein.

Show, also konkrete Bilder, konkrete Handlungen, Dialoge, Gedanken:

Mit aller Wucht schob er die Tür auf, grapschte nach ihr und bekam sie schließlich am Oberarm zu fassen. Sie fühlte, wie seine Finger sich einzeln in die Haut bohrten.

»Ich schlag dich tot, du Sau, du kommst hier nicht mehr lebend raus!« Er hob den Arm, winkelte ihn an, zog den Ellbogen zurück und ballte die Faust.
Barbara starrte auf sein hasserfülltes Gesicht, auf seine Faust direkt vor ihren Augen, sah die Fingerknöchel, die sich unter der Anspannung weiß verfärbt hatten, die dunkle lange Behaarung an den Fingern, den Ehering. Die Situation erschien unwirklich, ein böser Albtraum, aus dem sie gleich erwachen würde. Das war der Mann, den sie einmal geliebt hatte. 
Die Faust sauste mitten in ihr Gesicht. Sie konnte den Widerhall in ihrem Schädel spüren, auch Sekunden später noch, als ob ein Hammer auf ihren Kopf niedergesaust wäre. Ihr wurde schwindlig.
Dieses Monster wird mich töten! Wie eine Ratte in der Falle kämpfte sie um ihr Leben, wandelte sich vom Opfer zum Angreifer, brüllte in einer Mischung aus Schmerz, Wut und Angst auf und begann, wie wild auf Christian einzuschlagen, auf seine Brust, seine Arme, sein Gesicht.
Es ging nicht mehr darum, sich zu verteidigen. Nein! Sie wollte ihn verletzen, auf ihn einprügeln, bis er widerstandslos liegenblieb.

Welche dieser Sätze sind nun “leere Floskeln, die nichts mit der Handlung zu tun haben”?

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