So leise

Von unserer Autorin Dagmar Voigtländer

Es ist so still hier, so furchtbar, grausam leise.
Die Zeit will nicht vergehen, sie steht und lacht mich aus.
Ich mache etwas, räume Dinge hin und her, hör auf die Uhr, hör nichts mehr ticken.
Wann ist das alles stehen geblieben?
Als du gestorben bist, da rannte doch die Zeit.
Ich bin ihr hinterher gerannt und hab versucht dich einzuholen.
Hab’s nicht geschafft, sie sagen sowas kann man nicht.
Ich hab aber gedacht, wenn ich nur stark bin, wenn ich nur warten kann, dann bist du wieder da.
Hab nicht gewusst, dass es dann nur in Träumen ist.

Ich kann schon wieder reden mit Menschen, die ich lieb hab.
Es tut mir gut und ich lass zu,was sie mir geben wollen.
Und trotzdem schrei ich manchmal deinen Namen.
Schrei an gegen die Stille in mir und um mich herum.
Ich bin nicht einsam glaub ich, nur allein.
Alleine sein ist auch nicht immer schlimm,es tut nur so unendlich weh
und es zerreißt mich, dass du jetzt nicht mehr lachst, weinst, über deine Brille schaust.
Kann deine Stimme nicht mehr hören.
Die Stille ist zu laut.

Manchmal hab ich die Hoffnung, dass ich dich einmal wieder hören kann.
Und wenn das möglich ist, vielleicht ist Freude möglich.
Vielleicht geht dann mein Leben weiter, ohne dich.
Da draußen hinterm Fenster tut sich doch etwas, es regnet, hagelt, schneit,
ich bild mir das nicht ein.
Es bleibt nur seltsam grau, es kommt und geht vorbei,
Du hast den Dingen in mir und um mich herum Kontur gegeben,
du warst mein Schwarz und Weiß zum Grau.
Ich muss jetzt lernen, dass ich alleine laufen will.
Vielleicht betrüg ich auch ein wenig und nehm dich heimlich mit.

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